Ref. Kirche Mitlödi, Mai 2022 «Hände, die schenken, erzählen von Gott»

 2022 05 besinnung mai

Der Friede Gottes sei mit uns allen. Amen
Von allen Seiten umgibst du mich, Herr, und hälst deine Hand über mir. (Ps139,5)

Liebe Freunde, ich begrüsse Euch herzlich zu unserer Besinnung im Mai, in dem auch der
Muttertag gefeiert wird. So heisst das Thema dazu: «Hände, die schenken, erzählen von Gott».
Der barmherzige Gott will uns umgeben mit seiner Liebe und Treue.

Gebet: Guter Gott, wir suchen eine Hand, die uns hält und ermutigt, die uns beruhigt und beschützt.
Wir brauen eine Hand, die stark ist und uns trägt, die uns begleitet und führt. Gott, wir denken
an unsere Mütter, denken an unsere Väter. Durch sie hast du uns unser Leben geschenkt. Wir
danken dir für sie und für alles, was du uns durch sie gegeben hast. Für das, was nicht gelungen
war, bitten wir dich um deine Vergebung. Gott, nur du bist vollkommen in deiner mütterlichen und
väterlichen Liebe. Dafür danken wir dir. Amen.

Psalm 139 i.A. Von allen Seiten umgibst du mich und hälst deine Hand über mir. Führe ich gen
Himmel, so bist du da. Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äussersten Meer, so
würde auch deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten. Deine Augen sahen mich,
als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden
sollten und von denen keiner da war. Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz, prüfe mich,
erkenne, wie ich es meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem
Wege. Von allen Seiten umgibst du mich und hälst deine Hand über mir. Amen

Im Tauf- und Missionsbefehl bestärkt Jesus Christus dies als Zeichen des neuen Bundes
Gottes mit uns Menschen. Er spricht: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.
Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker. Taufet sie auf den Namen des Vaters
und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch
befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ ( Matthäus 28 )

Das haben Menschen seit langen Zeiten in ihrer Beziehung zu Gott erfahren. Und ganz beson-
ders hat uns Jesus von diesem Angebot Gottes erzählt und vorgelebt. Darüber hinaus haben wir
in unserer Taufe seine Zusage erhalten: Du bist nie allein unterwegs. Auch wenn mal keine
Menschen um dich herum sind – Ich, dein Gott, bin immer bei dir.

Zur Taufe geben Eltern gern ihrem Kind einen beliebten Satz, ein Versprechen, mit auf den Weg:

Unsere Hände werden dich halten, solange du sie brauchst. Unsere Füsse werden dich
begleiten, solange du es willst. Unsere Herzen werden dich lieben, solange wir leben.

Kinder lernen, ihre ersten Schritte zu gehen, aber sie gehen sie nicht allein. Sie dürfen erfahren,
dass sie sich auf unsere Hände, Füsse und Herzen verlassen können; so, wie wir glauben, dass
wir uns auf Gottes grosse Hand verlassen können. Das sagt das Bild der Hände: Wir wollen
unseren Kinder all unsere Liebe schenken; aber alles in allem sind wir gemeinsam geborgen in
Gottes grosser Hand.

So heisst es in einem Gedicht:
Hände, die schenken, erzählen von Gott. Sie sagen, dass er mich erhält.
Hände, die schenken erschaffen mich neu, sie sind der Trost dieser Welt.
Worte, die heilen, erzählen von Gott. Sie sagen, dass er zu mir hält.
Worten, die heilen, befreien mich heut, sie sind das Licht dieser Welt.
Augen, die sehen, erzählen von Gott. Sie sagen, dass er auf mich schaut.
Augen die sehen, sie öffnen die Tür, sie sind die Hoffnung der Welt.
Lippen, die segnen, erzählen von Gott. Sie sagen, dass er mich erwählt.
Lippen, die segnen, sind Freude für mich, sie sind die Zukunft der Welt.

Impuls: Liebe Freunde, das hätten wir gern, dass wir auf Händen durch unser Leben getragen
werden. Aber Gott ist nicht so bei uns. Er lässt uns schon selbst gehen. Und jeder, der auf eige-
nen Füssen geht, der stolpert auch mal, der fällt auch mal hin, und der holt sich dabei auch mal
blutige Knie. Und weil Hinfallen und blutige Knie weh tun, deshalb weint auch ein Christ. Das
alles erspart einem Gott nicht, weil er uns als eigenständige Menschen behandelt und nicht wie
Marionetten, die er nur an den Strippen zieht und bewegt. Er bewahrt uns also nicht vor allen
schlechten Erfahrungen und vor manchem Sturz, aber er hilft uns immer wieder auf. Er lässt
uns nicht im Schmutz liegen. Er hilft uns, aufzustehen und tröstet uns. Er gibt uns die Kraft
zum Leben; Kraft, als Menschen mit eigenem Kopf und Willen durchs Leben zu gehen. Und er
gibt uns Vertrauen und Mut weiterzugehen, wenn wir Angst haben, wenn wir denken, es geht
nicht mehr weiter. So ist Gott: Einer, der einen lässt, aber nicht verlässt. Einer, auf den man
sich verlassen kann, wenn man sich verlassen fühlt. So heisst es bei Jesaja 41,10
Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir, ich weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich
stärke dich, ich helfe dir auch. Ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.

Durch die Taufe werden wir auch Jünger, die sich von Jesus rufen lassen. Die Taufe ist somit
auch ein Symbol für diesen Ruf Jesu Christi. Deshalb nennen wir uns Christen. Durch die Taufe
werden wir mitgenommen auf einen Weg des Glaubens, den wir in der Gemeinschaft mit ande-
ren Getauften gehen können. Eine grosse Aufgabe, die uns Christen aufgetragen ist.
Es gibt in der Bibel ein Gespräch zwischen Jesus und seinen Jüngern. Da geht es um die Zu-
kunft der Jünger und um die Frage, wie sie klarkommen werden ohne ihn. Im Verlauf des Ge-
spräches bekommen die Jünger leise Zweifel: Vielleicht ist unser Glaube zu klein und diesem
Leben gar nicht gewachsen ? Die Jünger damals mögen wohl gedacht haben: Hätte ich doch
eine Riesenportion Glauben. Nur, es gibt keine Riesenportion Glauben auf Vorrat.
Wir dürfen uns allein darauf verlassen, dass Gott stark und überzeugend ist, treu für ewig und
ewig. Sein grosses Ja-Wort hat er uns bei unserer Taufe auf den Kopf zugesagt für uns, für
unser Leben. Für immer. Dazu können wir unser kleines Ja - Wort sagen.
Ein kluger Mensch hat das so auf den Punkt gebracht: Wir brauchen keinen grossen Glauben.
Wir brauchen den Glauben an einen grossen Gott. Dieser grosse Gott achtet den kleinen
Glauben. Und dieser grosse Gott schenkt unserm kleinen Glauben grosse Kraft. Amen

Gebet: Gott, du bist zu uns wie ein Vater und eine Mutter, lass das Vertrauen in uns zum gläubi-
gen Bewusstsein werden, dass du uns nahe bist, auch wenn wir dich nicht spüren; dass du uns
nicht verlässt. Deswegen bitten wir für Mütter oder Väter, dass sie ihren Kindern ein gesundes
Grundvertrauen vermitteln können; bitten dich für unser Zusammenleben in den Familien, dass
Verlässlichkeit und Fürsorge wachsen und gedeihen.
Wir bitten für alle Menschen, die in diesen Wochen Schweres im Krieg und in Krankheit erleben
müssen; für alle, die in Angst leben und die füreinander Sorge tragen; aber auch für die vielen
Verstorbenen. Ewiger Gott, du bist uns Zuflucht und Stärke. Steh allen bei, die von diesen
Krisen betroffen sind. Stärke in uns den Glauben, dass alle Menschen in deinen guten Händen
geborgen sind.
Gott, du hast uns Hände, Füsse und Herzen geschenkt, damit wir andere halten, begleiten und
lieben dürfen. Sei uns nahe mit deinem Geist, öffne unsere Hände und unsere Herzen immer
wieder aufs Neue. Füll uns die Hände mit Geduld, Kraft und Liebe, damit wir von dir, von deiner
grossen Treue und Liebe, erzählen können, der du uns mit deiner grossen Hand hälst. Gib uns
den Mut, Jesu Worte und Taten in unsere Zeit zu übersetzen und in unserem Leben zu verwirk-
lichen, damit wir in einer glaubwürdigen und lebendigen Gemeinschaft leben können.
Gib uns Frieden auf der Welt. Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein
Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot
gib uns heute, und vergib uns unsre Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern
und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist
das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen
Gott segne dich und behüte dich. Gott lass sein Angesicht leuchten über dir und sei dir
gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen
Nicht nur Euch, liebe Mütter und Väter, sage ich allen Dank für Eure Liebe; und wünsche Euch
einen schönen Tag. Und seid herzlich umarmt. Eure Almut Neumann, Pfrin Mitlödi
www.ref-mitloedi.ch